Polizei ermittelt nach Verbreitung von Videos

Polizei ermittelt nach Verbreitung von Videos

Eigentlich wollen Medien nicht darüber berichten, wenn sich Menschen das Leben nehmen. Mögliche Nachahmer sollen nicht dazu animiert werden, es auch zu tun. Diesmal kommen wir aber um die Berichterstattung nicht herum. Grund dafür ist ein Video, das den Selbstmord am Ulmer Münster vom Wochenende zeigt.

Polizei und Psychologen haben dazu aufgerufen, das Video nicht weiter zu verbreiten. Trotzdem wird es auch heute noch über soziale Netzwerke geteilt. Vor allem unter Kindern und Jugendlichen.

Viele, die sich hier am Münsterplatz treffen, sprechen über das Thema und über die Videos. Laut Michael Lobenhhofer von der Notfallseelsorge für Ulm und den Alb-Donau-Kreis verarbeiten sie ihre Eindrücke auf diese Weise. Auch das Teilen von belastenden Bildern und Videos sei meist Ausdruck der eigenen Hilflosigkeit und Überforderung.

Eltern sollen auch ihre Kinder direkt auf die Videos ansprechen, rät der Experte. Er weiß auch, wann professionelle Hilfe nötig werden könnte. Augenzeugen, Ersthelfer und Betroffene, die über das Erlebte sprechen wollen, dürfen sich an die Notfallseelsorge wenden. Diese ist rund um die Uhr unter 0731 / 161-7102 zu erreichen. Nur wer über belastende Erfahrungen spricht, könne sie auch gesund verarbeiten!

Weitere Hilfe gibt es zum Beispiel bei der Telefonseelsorge unter der kostenfreien Nummer 0800 111 0 111 oder in Bayern beim Krisendienst des Bezirkes Schwaben unter der gebührenfreien Nummer 0800 / 655 3000.

Derzeit versucht die Polizei Menschen zu finden, welche die Tat mit dem Handy gefilmt und diese Aufnahmen über das Internet verbreitet haben. Laut der Staatsanwaltschaft Ulm könnte hier ein Straftatbestand vorliegen. Wer in grob anstößiger Weise Bildaufnahmen einer verstorbenen Person macht oder weiterleitet, muss nach § 201a Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer empfindlichen Geldstrafe rechnen.